Ein Beitrag zum Weltkindertag am 20. September
Heute ist Weltkindertag. In über 145 Ländern der Welt wird er begangen – mit dem Ziel, auf die Rechte und Bedürfnisse von Kindern aufmerksam zu machen. Auch in Deutschland wird dieser Tag seit Jahrzehnten gefeiert, immer am 20. September. Es geht um Kinderschutz, Bildungsgerechtigkeit – und um die Frage: In welcher Gesellschaft wollen wir aufwachsen und leben?
Eine Gesellschaft ohne kulturelle Teilhabe ist nicht denkbar – und schon gar nicht für die jüngsten Mitglieder. Denn kulturelle Bildung ist kein Extra. Sie ist ein Recht.
Warum gibt es den Weltkindertag?
Die Geschichte des Weltkindertags ist eng mit der Entwicklung der Kinderrechte verbunden. Erste Forderungen reichen bis ins frühe 20. Jahrhundert zurück. 1924 verabschiedete der Völkerbund die sogenannte „Genfer Erklärung“, 1959 folgte die „Erklärung der Rechte des Kindes“ durch die Vereinten Nationen. Und 1989 wurde schließlich das „Übereinkommen über die Rechte des Kindes“ von der UN-Vollversammlung verabschiedet – heute völkerrechtlich bindend und von fast allen Staaten der Welt anerkannt.
Seitdem gilt der 20. November international als Tag der Kinderrechte. In Deutschland aber liegt der Fokus zusätzlich auf dem Weltkindertag am 20. September – ein Datum, das politische Aufmerksamkeit schaffen soll, ohne in den Jahresendtrubel zu geraten. Für uns ein idealer Anlass, über kulturelle Teilhabe zu sprechen.
Was kulturelle Bildung leisten kann
Kinder brauchen Räume, in denen sie sich ausdrücken, ausprobieren und wachsen können – jenseits von Schule, Lehrplan oder Leistungsdruck. Theaterprojekte, Schreibwerkstätten, Tanzkurse, Musikgruppen oder Filmworkshops bieten genau das: kreative Freiheit, soziale Teilhabe, Perspektivwechsel.
Kulturelle Bildung stärkt das Selbstbewusstsein, ermöglicht emotionale Verarbeitung, fördert Sprache und Ausdruck – und schafft Verbindungen, wo sonst Trennendes dominiert.
Gerade Kinder, die Diskriminierung, Armut oder Ausschluss erfahren, profitieren besonders stark von kulturellen Angeboten. Hier werden sie gesehen, gehört, ernst genommen.
Was fehlt?
Trotz zahlreicher engagierter Projekte und Kulturorte in Dresden fehlt es an struktureller Förderung, langfristiger Planungssicherheit und politischer Prioritätensetzung. Zu viele Angebote sind auf Projektförderung angewiesen, zu wenige erreichen Kinder in ländlichen Gebieten oder aus einkommensarmen Familien.
In Dresden ist zum Beispiel derzeit das Moosmutzelhaus in Löbtau von der Schließung bedroht – eine Einrichtung, die seit Jahren niedrigschwellige kulturelle Bildungsangebote für Kinder schafft. Über 3.000 Menschen haben die Petition zur Rettung der Einrichtung unterschrieben. Das zeigt: Es geht um mehr als einen einzelnen Ort – es geht um die Frage, wie ernst wir es meinen mit kultureller Teilhabe für Kinder.
Die prekäre Lage vieler Einrichtungen, die sich für soziale und kulturelle Teilhabe einsetzen, ist kein Einzelfall – sondern Ausdruck eines strukturellen Problems.
Was Kinder für die Kultur bedeuten
Kinder sind nicht nur Zielgruppe. Sie sind Impulsgeber:innen, Perspektivöffner:innen, Mitgestalter:innen unserer kulturellen Landschaft. Ihre Fragen, Sichtweisen und Ideen verändern Kultur – und machen sie lebendig, mutig, zukunftsfähig.
Wer also über die Zukunft von Kultur spricht, muss über Kinder sprechen. Und wer Kinder ernst nimmt, muss ihnen den vollen Zugang zu kultureller Vielfalt unserer Gesellschaft ermöglichen.
Wie kulturelle Teilhabe gelingen kann
Die Freie Szene leistet in Dresden seit Jahren wertvolle Arbeit mit und für Kinder – von Filmworkshops bis zu offenen Bühnenformaten, Stadtteilfesten oder künstlerischen Ferienangeboten.
Aber: Ohne verlässliche Strukturen, sichere Förderungen und politische Rückendeckung lässt sich diese Arbeit nicht dauerhaft leisten. Kulturelle Bildung braucht Räume, Ressourcen – und den politischen Willen, sie als Teil der Daseinsvorsorge zu verstehen.
Ohne Kultur keine Bildung. Ohne Bildung keine Demokratie.
Kultur und Bildung gehören zusammen. Und beides ist zentral für das Gelingen einer offenen, solidarischen Gesellschaft.
Deshalb erinnern wir am heutigen Weltkindertag nicht nur an die Rechte der Kinder, sondern auch an unsere gemeinsame Verantwortung: Kinder brauchen Kultur. Und wir alle brauchen sie – für eine Zukunft, in der Teilhabe keine Ausnahme, sondern ein Grundsatz ist.
Weitere Gedanken zum Thema kulturelle Teilhabe findet ihr auch in unserem Beitrag zum „Sei nochmal ein Kind“-Tag:

