Lies ein Buch. Aus der Szene. Für die Szene

Lies-ein-Buch-Tag

Ein Beitrag zum Internationalen Lies-ein-Buch-Tag am 6. September

Lesen ist politisch. Und literarisch. Und manchmal einfach dringend nötig.

Am 6. September ist internationaler Lies-ein-Buch-Tag. Für uns ein guter Anlass, um auf Autor:innen mit Verbindung zu Dresden hinzuweisen, die mit ihren Texten Kultur sichtbar machen – jenseits von Kanon, Verkaufszahlen oder großem Feuilleton.

Die hier empfohlenen Bücher sind vielfältig, wie viel Perspektive, Kraft und Reflexion in der literarischen Szene dieser Stadt in Form, Thema und Haltung: laut oder leise, queer oder migrantisch, erzählend oder lyrisch. Sie zeigen steckt. Und sie machen deutlich, dass Kulturförderung vielfältig gedacht werden muss – und eben auch für die Worte dazwischen wichtig ist.

Unsere Empfehlungen:

Paula Irmschler: Superbusen

Paula Irmschler ist Kolumnistin, Satirikerin und Romanautorin mit Wurzeln in Dresden und Chemnitz. In Superbusen erzählt sie die Geschichte von Gisela, die nach Chemnitz zieht, Freundschaften knüpft, eine Band gründet – und sich inmitten von Alltagsfrust, Feminismus, Popkultur und Provinzdruck selbst behauptet. Mit viel Ironie, Wut und Ohrwurmgefahr.

Lisa Kränzler: Mariens Käfer

Lisa Kränzler lebt in Dresden und wurde 2025 mit dem Fontane-Literaturpreis ausgezeichnet. In Mariens Käfer entfaltet sie ein modernes Kunstmärchen über ein Mädchen, das sich durch eine trostlose Welt kämpft – poetisch, bildgewaltig, zwischen Text und Zeichnung. Ein stilles Buch über Widerstand und Selbstbehauptung.

Charlotte Gneuß: Gittersee

Charlotte Gneuß war 2024 Dresdner Stadtschreiberin und hat mit Gittersee ein beeindruckendes Romandebüt vorgelegt. Der Roman spielt im Sommer 1976 in der DDR und erzählt die Geschichte der 16-jährigen Karin, die zwischen Systemloyalität, Freiheitsdrang und komplizierten Familienverhältnissen steht. Fein beobachtet, sprachlich präzise, gesellschaftlich relevant.

Jasmin Riter: Orcawale

Jasmin Riter schreibt Lyrik, Prosa und für Kinder – sie lebt und arbeitet zwischen Dresden und Leipzig. Orcawale ist ein Band mit feministischer Kurzprosa: wütend, zärtlich, surreal. Geschichten, die vom Aushalten erzählen, vom Anderssein und von queerer Kraft. Ihre Sprache ist direkt, poetisch und voll politischer Wucht.

Dana von Suffrin: Nochmal von vorne

Dana von Suffrin wurde 2025 mit dem Dresdner Chamisso-Preis ausgezeichnet. In Nochmal von vorne erzählt sie von Familie, Migration, Erinnerung und der Frage, wie man weiterlebt, wenn das Gewesene nicht vergeht. Nach dem gefeierten Debüt Otto erneut ein kluges, berührendes Buch mit Humor und Haltung.

Dresden que(e)r durch das Jahrhundert

Herausgegeben vom sowieso e. V. dokumentiert dieser Band über 120 Jahre queere Stadtgeschichte. Die Beiträge reichen von historischen Dokumenten über persönliche Interviews bis hin zu aktuellen Aktivismusformen. Das Buch macht sichtbar, was lange marginalisiert wurde – und ist zugleich kollektive Erinnerung, Widerstandschronik und Lesebuch.

Jayne-Ann Igel: wolken hinterm rollo

Jayne-Ann Igel lebt in Dresden und schreibt seit Jahrzehnten Lyrik. In wolken hinterm rollo verknüpft sie biografische Spuren mit politischen Erfahrungen, queeren Perspektiven und poetischer Klarheit. Ihre Texte sind präzise, nachdenklich, eindringlich – und wichtige Beiträge zu einer Literatur jenseits der Norm.

Weitere Buchtipps?

Wir freuen uns auf eure Empfehlungen unter #LiesEinBuchTag oder per Kommentar auf unseren Socials.

Denn gerade Literatur entsteht oft abseits der großen Bühnen – in Schreibwerkstätten, kleinen Verlagen, Wohnzimmern, Bibliotheken oder Ateliers. Auch sie braucht Raum, Förderung und Sichtbarkeit. Denn Bücher sind mehr als Geschichten: Sie sind Ausdruck, Widerstand, Erinnerung und Zukunft. Sie geben marginalisierten Perspektiven eine Stimme, schaffen Empathie und bringen Menschen miteinander ins Gespräch. Gute Literatur hält uns den Spiegel vor – und öffnet neue Denkräume.

Diese Vielfalt verdient es, wahrgenommen und gefördert zu werden – nicht nur heute, am Lies-ein-Buch-Tag.