Für eine verantwortungsvolle Kulturpolitik

Stellungnahme von Kulturinstitutionen und Freischaffenden anlässlich der anstehenden Wahl der oder des Dresdner Beigeordneten für Kultur und Tourismus

Viele Akteur:innen der Kulturszene verfolgen die aktuellen Vorgänge um die anstehende Wahl der Beigeordneten der Landeshauptstadt Dresden mit Sorge. Die Suche nach der besten Lösung sollte in erster Linie von inhaltlichen Überlegungen und der verantwortungsvollen Fortsetzung einer fach- und sachorientierten Arbeit getragen sein.

Als Vertreter:innen der Kulturszene möchten wir in dieser Stellungnahme einige Eckpunkte benennen, die bei der Besetzung des Amts der oder des Beigeordneten für Kultur und Tourismus berücksichtigt werden sollten. Diese Positionen basieren auf den fachlichen Anforderungen und praktischen Erfahrungen, die unser Netzwerk in den zurückliegenden Jahren mit der städtischen Kulturpolitik gemacht hat.

Eine moderne städtische Kulturpolitik muss nach unserer Einschätzung die zentrale Bedeutung der Kultur für die zukünftige positive Entwicklung Dresdens im Verbund mit anderen Bereichen wie Wissenschaft, Forschung, Wirtschaft oder Tourismus deutlich sichtbar machen. Sie muss die Werte unserer städtischen Kultur erhalten und fördern und diese gleichzeitig mit dem globalen Horizont unserer Gegenwart in einen produktiven Austausch bringen. Die gewachsenen Strukturen sollten erhalten und traditionelle Kulturformen respektiert werden, während gleichzeitig der notwendige Raum für Experimente und Innovationen geschaffen wird.

Die städtische Kulturpolitik muss den unterschiedlichen kulturellen Akteuren ermöglichen, ihr kreatives Potential für das gedeihliche Zusammenleben einer divers zusammengesetzten Stadtgesellschaft zu entfalten und insbesondere auch ein junges nachwachsendes Publikum mitzunehmen. Dabei sollte sie die Dresdner Kulturlandschaft in ihrer ganzen Vielfalt aktiv fördern, indem sie die strukturellen Voraussetzungen und finanziellen Mittel für ihre Weiterentwicklung bereitstellt und für die Zukunft sichert. Eine Voraussetzung dabei ist, dass sie diskurs- und konfliktfähig handelt, um die Beteiligung der Stadtgesellschaft in ihrer Breite und Widersprüchlichkeit an einer lebendigen, innovativen und diversen zeitgenössischen Kulturlandschaft zu gewährleisten.

Weiterhin sollte die Kulturpolitik tragfähige Lösungen für gesamtgesellschaftliche Probleme erarbeiten, die auch die Kulturinstitutionen in ihrem Bestand betreffen, wie z.B. ganz aktuell die Folgen der Pandemie, die Inflation, steigende Energiepreise und die Herausforderungen der Digitalisierung. Eine langfristige Strategie zu zentralen Fragen der Kultur in unserer Stadt muss daher von einem tagesaktuellen Management der anstehenden Probleme mit hoher Fachkompetenz verlässlich begleitet werden. Angesichts der immensen heutigen Herausforderungen, die sowohl durch den Krieg in der Ukraine und die bevorstehende Energiekrise hervorgerufen werden als auch die fortdauernde Bewältigung der Pandemie, ist es aus unserer Sicht dringend erforderlich, die künftige Besetzung dieses Ressorts zeitnah und fachkompetent (d.h. möglichst auf der September-Sitzung des SR) zu regeln. Um den Herausforderungen auch künftig mit einer starken Kulturpolitik zu begegnen, ist eine Kontinuität in der Besetzung des Amtes der Beigeordneten für Kultur und Tourismus mit einer fachlich qualifizierten Führung
für eine zukunftsfähige Kulturarbeit in der Stadt Dresden unabdingbar.

Der Geschäftsbereich Kultur und Tourismus hat in den letzten Jahren mit einer hohen fachlichen Kompetenz und Sachkenntnis gearbeitet. Dafür möchten wir ausdrücklich danken.

DAS STATEMENT UNTERSTÜTZEN BISHER:

Netzwerk Kultur Dresden
/u.a.mit/
Das Erich Kästner Haus für Literatur e.V.
Filminitiative Dresden e.V. Filmfest Dresden
Gedenkstätte Bautzner Straße
Künstlerbund Dresden e. V.
riesa efau. Kultur Forum Dresden
Sächsischen Musikrat e.V.
Scheune e.V.
Servicestelle FREIE SZENE
/und weitere/

PM: Unter dem Hashtag #100MeterKultur ruft das Netzwerk Kultur Dresden zur Grundsanierung der Freien Szene auf.

Dresden (27.07.2022): Im September wird der neue Doppelhaushalt 2023/24 in den Stadtrat eingebracht, im Dezember soll er von diesem beschlossen werden. Oberbürgermeister Dirk Hilbert hat dabei die Schwerpunkte festgelegt. Wichtige Themenfelder sind hierbei u.a. Investitionen in den Bildungsbereich, Ausbau der Sozialarbeit, Klimagerechtigkeit und die Digitalisierung der Verwaltung. Ein Themenbereich, welcher faktisch hinter allem steht, aber nicht genannt wurde, ist Kultur im Allgemeinen und die Freie Szene im Besonderen. Und dies trotz eines prognostizierten Anstiegs des städtischen Etats: „Noch nie waren im städtischen Haushalt so viele Mittel geplant, wie für die kommenden Jahre.“ (Dirk Hilbert, 13.07.2022)

„Dies können und möchten wir so nicht stehen lassen und haben daher die Aktion #100MeterKultur mit dazugehöriger Petition ins Leben gerufen“, so Anne Gaschütz, Festivalleiterin des Filmfest Dresden und Sprecherin des Netzwerk Kultur in der Sparte Film.

Unter dem Hashtag #100MeterKultur fordert das Netzwerk – der Zusammenschluss der Freien Szenen Dresdens – den Oberbürgermeister Dirk Hilbert und den Stadtrat daher auf, die im Kulturentwicklungsplan, dem Papier „Fair in Dresden“ und in der Charta für Nachhaltigkeit selbst gesteckten Ziele einzuhalten und den Kulturhaushalt entsprechend anzupassen. Denn: Trotz prognostizierten Anstiegs des städtischen Haushaltes scheint das Budget für den gesamten Kulturbereich gleich zu bleiben. „Bei steigenden Tariflöhnen der städtischen Institutionen bedeutet das für den Etat der Freien Szene Kürzungen. Damit fallen wir unter den Stand von 2019 zurück“, ergänzt Maren Marzilger, Kuratorin beim SALOON Dresden und Netzwerk-Sprecherin für Bildende Kunst.

Faire Honorare und Gehälter sind die Forderung, denn ein Großteil der Kulturschaffenden arbeitet am Existenzminimum. Mit zunehmendem Personalmangel, mit wachsendem finanziellem Druck durch hohe Inflation und steigendem Mindestlohn sieht das Netzwerk die kulturelle Vielfalt Dresdens in Gefahr. „Um die Freie Kulturszene in Dresden, welche weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt ist, zu erhalten, bedarf es ebenso – wie beispielsweise bei marode gewordenen Straßen – einer Investition in die Grundsanierung. Für die Freie Szene heißt das konkret: die Erhöhung von Gehältern und Honoraren sowie Unterstützung für steigende Miet- und Nebenkosten“, kommentiert Heike Zadow, Leiterin der Servicestelle FREIE SZENE Sachsen und Sprecherin für Darstellende Kunst.

Mit der Onlinepetition #100MeterKultur ist nun die Stadtgesellschaft aufgefordert, die Freie Szene zu unterstützen.

Presse-Kontakt für Rückfragen:

Maren Marzilger / dresden@saloon-network.org

Link Petition: https://is.gd/duqeuc

#100MeterKultur

Im September wird der neue Doppelhaushalt 2023/24 in den Stadtrat eingebracht, im Dezember soll er von diesem beschlossen werden. Oberbürgermeister Dirk Hilbert hat dabei die Schwerpunkte festgelegt. Wichtige Themenfelder sind hierbei u. a. Investitionen in den Bildungsbereich, Ausbau der Sozialarbeit, Klimagerechtigkeit und die Digitalisierung der Verwaltung. Ein Themenbereich, welcher faktisch hinter allem steht, aber nicht genannt wurde, ist Kultur im Allgemeinen und die Freie Szene im Besonderen. Und dies trotz eines prognostizierten Anstiegs des städtischen Etats: „Noch nie waren im städtischen Haushalt so viele Mittel geplant, wie für die kommenden Jahre.” (Dirk Hilbert, 13.07.2022) Dies können und möchten wir so nicht stehen lassen und haben daher die Aktion #100MeterKultur ins Leben gerufen.

Grundsanierung der Freien Szene – JETZT!

Der Bau von acht Metern Straße kostet in etwa so viel wie der jährliche Zuschuss der Landeshauptstadt Dresden für ein durchschnittliches Dresdner Kulturzentrum. Dabei sind faire Honorare und Gehälter nicht eingerechnet. Ein Großteil Kulturschaffender arbeitet am Existenzminimum. Mit dem daraus resultierenden zunehmenden Personalmangel, mit wachsendem finanziellen Druck, durch hohe Inflation und steigenden Mindestlohn sehen wir die kulturelle Vielfalt Dresdens in Gefahr. 

Jährlich bezuschusst die Stadt Dresden wichtige Straßensanierungen. Um die Freie Kulturszene in Dresden, welche weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt ist, zu erhalten, bedarf es ebenfalls einer Investition für die Grundsanierung von Gehältern und Honoraren sowie Unterstützung für steigende Miet- und Nebenkosten. 

Trotzt prognostiziertem Anstieg des städtischen Haushaltes, scheint das Budget für den gesamten Kulturbereich allerdings gleich zu bleiben. Bei steigenden Tariflöhnen der städtischen Institutionen bedeutet das für den Etat der Freien Szene Kürzungen. Damit fallen wir unter den Stand von 2019 zurück. Das bedeutet ebenfalls, dass für die Freie Szene lediglich 0,45 % des städtischen Budgets zur Verfügung gestellt werden. 

Das Netzwerk Kultur Dresden, der Zusammenschluss der Freien Szenen Dresdens, fordert den Oberbürgermeister Dirk Hilbert und den Stadtrat daher auf, die im Kulturentwicklungsplan, dem Papier „Fair in Dresden“ und in der Charta für Nachhaltigkeit selbst gesteckten Ziele einzuhalten und den Kulturhaushalt entsprechend anzupassen.

Faire Arbeitsbedingungen schaffen

#100MeterKultur, also in etwa 2 Mio € zusätzlich zum derzeitigen Budget, sind das Mindeste, das es braucht, um die kulturelle Vielfalt Dresdens und somit das Renommee der Landeshauptstadt nachhaltig zu stärken und zu sichern.

Vielen Dank für Eure Unterstützung,

die Sprecher:innen des Netzwerk Kultur Dresden

Ihr wollt uns unterstützen?

Dann zeichnet unsere Onlinepetition mit: #100MeterKultur
Oder werdet Teil und Gesicht unserer Social Media Kampagne und schreibt uns eine E-Mail an:
Maren Marzilger: dresden@saloon-network.org und/oder Anne Gaschütz: gaschuetz@filmfest-dresden.de

Stellungnahme zum Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine

Das Netzwerk Kultur Dresden steht für kulturelle Vielfalt und deren Weiterentwicklung in der sächsischen Landeshauptstadt. Als Plattform der freien künstlerischen und kulturellen Szene vereinen wir spartenübergreifend über 60 Kulturinstitutionen und -initiativen. Wir Sprecher:innen des Netzwerkes verurteilen den Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine und die Beteiligung Belarus’ daran. Unsere Solidarität gilt dem ukrainischen Volk, allen in der Ukraine lebenden Menschen, den aus diesem Land Geflohenen und Fliehenden sowie den sich mutig gegen diesen Angriffskrieg stellenden Russ:innen und Belaruss:innen.

Andrea O’Brien, Geschäftsleiterin Das Erich Kästner Haus für Literatur e.V.

Anne Gaschütz, Co-Festivalleiterin FILMFEST DRESDEN

Antje Friedrich, Geschäftsführerin Künstlerbund Dresden e.V.

Frank Eckhardt, Künstlerischer Leiter und Geschäftsführer riesa efau.Kultur Forum Dresden

Frank Schöne, Booker und Programmverantwortlicher Scheune e.V.

Heike Zadow, Kulturproduzentin, Leiterin Servicestelle FREIE SZENE

Jana Cernik, Co-Geschäftsführerin AG Kurzfilm

Maren Marzilger, Kuratorin und Kunsthistorikerin

Torsten Rommel, Geschäftsführer Künstlerbund Dresden e.V.

Uljana Sieber, Leiterin Gedenkstätte Bautzner Straße Dresden

Willi Hetze, Schriftsteller

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Kulturschaffende engagieren sich derzeit mit viel Einsatz und Kreativität für Hilfe für Flüchtende und gegen den Krieg.

Kultur Aktiv arbeitet seit vielen Jahren mit Kulturschaffenden aus der Ukraine und steht gerne als Knotenpunkt im Bereich Kultur zur Verfügung. Der Verein ist beständig mit seinen Partnern in der Ukraine in Kontakt und versucht zu ermitteln, was die Bedürfnisse der Kulturschaffenden sind. Aktuell ist der Fokus aber ganz klar Humanitäre Hilfe.

Zur Sichtbarmachung der Dresden Initiativen der Ukraine-Hilfe hat Kultur Aktiv eine Webseite zusammen mit Netzwerk | Medien | Kunst Dresden / CYNETART erstellt: https://dresdenstandswithukraine.de/ Fehlende Initiativen können gern an Simon Wolf, Geschäftsführer von Kultur Aktiv,  weitergleitet werden: simon.wolf@kulturaktiv.org

Der Objektiv e.V. hat Ideen gesammelt, wie am besten mit Kindern über den Krieg gesprochen werden kann: https://www.facebook.com/objektivdd

Das Zentralwerk sammelt Sachspenden: https://zentralwerk.de/programm/direkthilfe-dresden/  

Russische Animationsfilmschaffende wenden sich aktiv gegen den Krieg unter dem Hashtag #AnimatorsAgainstWar: https://www.youtube.com/watch?v=FvaoHmsIFk4

Das Border Crossing Children’s Film Festival zeigt Kurzfilme für Kinder an der polnisch-ukrainischen Grenze, um das lange Warten etwas zu verkürzen: https://www.facebook.com/BorderCrossingFilmFest

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weitere Mitunterzeichnende sind:

Sandra Wehler, Objektiv e.V.

Annemarie Grünert, Alina Bastian, *sowieso* Frauen für Frauen e.V.

Andrea Hilger, OSTRALE Dresden

Jana Körner, Putjatinhaus

Simon Wolf, Kultur Aktiv

Linda Bersch, Kulturbüro Dresden / Büro für freie Kultur- und Jugendarbeit e.V.

Paul Elsner, Geh8 K U N S T R A U M A T E L I E R S

Daniela Tonk, Johannstädter Kulturtreff e.V.

Lydia Göbel, Wir gestalten Dresden

Ellen Demnitz-Schmidt, SPIKE Dresden

Thomas Dumke – Netzwerk | Medien | Kunst – CYNETART

Thomas Friedlaender, Veranstaltungsreihe Offenes Palais – MUSIK UND KUNST IM GROSSEN GARTEN

Iris Meusemann, Büro für Kulturvermittlung, Projektberatung und Veranstaltungsmanagement

Markus Rindt, Intendant der Dresdner Sinfoniker e.V.

Holger Böhme, Theaterkahn – Dresdner Brettl

Dr. Karsten Fritz, Medienkulturzentrum Dresden e.V.

Peter Zimolong, Fotograf

Albrecht Scharnweber, KlangNetz Dresden

Christian Palmizi, Zentralwerk e.V.

Björn Reinemer, Beatpol

Anzhelika Dementyeva, Deutsches Institut für Animationsfilm – DIAF

Julius Skowronek, projekttheater dresden

Britta Sommermeyer, Kreative Werkstatt Dresden

Constanze Böckmann, Künstlerin und Autorin

Stellungnahme des Netzwerkes Kultur Dresden zum erneuten Lockdown

Am Freitag, den 19. November 2021, wurde von der Sächsischen Landesregierung ein sogenannter „harter Wellenbrecher“ beschlossen, um die Fallzahlen in Sachsen, die Verbreitung des Virus und die Krankenhausauslastung zu reduzieren. Dies können wir verstehen. Dass diese harten Maßnahmen nun aber vor allem erneut die Kultur betreffen, können wir nicht nachvollziehen.

Bereits im August wurden in seriösen Medien Hochrechnungen veröffentlicht, die für den Monat Oktober 2021 Inzidenzen von 500 und mehr voraussagten. Seit Beginn der Pandemie waren Kultureinrichtungen unter den ersten Orten, die schließen mussten – mit jedem neuen Lockdown. In den Lockdown-freien Zeiten haben sich genau diese Einrichtungen stetig bemüht, die vom Staat vorgegebenen Hygienemaßnahmen umzusetzen, haben mit eingeschränkten Kapazitäten ihre Türen wieder geöffnet, Veranstaltungen verschoben oder nach draußen verlegt und seither mit erheblichen Besucher:innen- und Einnahmeeinbußen zu kämpfen.

Warum schließt der Freistaat pauschal Kultureinrichtungen, da er sich doch auch als Kulturstaat definiert? Warum gibt es keinerlei Differenzierung zwischen den unterschiedlichen Angeboten? Ein Tanzkurs, ein Theaterbesuch, ein Workshop im Freien, ein Ausstellungsbesuch sind sehr unterschiedliche Aktivitäten. Was sind die moralischen Auswirkungen dieses allzu pauschalen Vorgehens? Kultur insgesamt als disponible Verfügungsmasse? Wie steht es um Kulturen des Umgangs, um politische Kulturen vorausschauenden Agierens?

Zu den moralischen kommen die wirtschaftlichen Fragestellungen für freie Kultureinrichtungen. Erreichen pekuniäre Hilfen z.B. Klubs überhaupt und rechtzeitig? Auch öffentlich geförderte Einrichtungen stehen oft im Dilemma. Es werden nicht selten hohe Eigeneinnahmen vorausgesetzt, doch ein Umsatzrückgang um 30% ist wegen Projekt- oder institutionellen Förderungen nicht zu konstatieren. Der aber wäre Voraussetzung zum Hilfspaket III der Bundesregierung. Kurzarbeit? Wer macht dann die Um- und Neuplanungen für die Zeit einer eventuellen Öffnung? Die Mitarbeiter:innen im Planungs- und Durchführungsbereich haben jetzt einen wesentlich höheren Arbeitsaufwand als in normalen Zeiten. Und einen destruktiveren. An eine Dauer von drei Wochen können wir nicht glauben. Die Einschränkungen im vergangenen Jahr geben einen Rahmen für das, was uns erwartet.

Dies alles unter den Bedingungen einer bereits in vorpandemischen Zeiten exzessiven Unterbezahlung bei den meisten Institutionen der freien Kultur.

Wir fordern insbesondere für die freie Kultur insgesamt angepasste Unterstützungen, egal ob die Träger eine öffentliche Förderung erhalten oder nicht. Wir fordern, dass die Sächsische Aufbaubank ihre Nachprüfungen zumindest im Kulturbereich zu den Liquiditätshilfen 2020 einstellt. Durch den damals risikofreieren Sommer waren viele Kulturbetriebe im Referenzzeitraum liquider, als erwartet, haben aber das Geld im Lockdown ab November 2020 dringend gebraucht.

Wir fordern von der Staatsregierung ein verantwortungsvolleres Umgehen mit der pandemischen Situation hinsichtlich kultureller Einrichtungen. Also ein verantwortungsvolles und vorausschauendes Regieren mit einem Blick, der weiter ist, als nur der auf die kommenden zwei Wochen.

Wir fordern ein Verständnis für kulturelle Belange.
Gern bieten wir uns als Berater:innen für kulturelle Belange an.

Netzwerk Kultur Dresden begrüßt Stadtratsbeschluss zur Kulturförderung

Mit großer Erleichterung begrüßt das Netzwerk Kultur den Stadtratsbeschluss vom 28.01.2021 zur Förderung von Institutionen und Projekten für das Jahr 2021. Der Stadtrat hat der Vorlage des Kulturausschusses ohne Änderungen zugestimmt. Damit wurde der Verzögerung ein Ende gesetzt, welche AfD und Freie Wähler durch ihre Blockade im Kulturausschuss verschuldet haben.

Bereits vor einem Monat hätte diese Entscheidung getroffen werden können. Der Beschluss, sie vom Kulturausschuss in den Stadtrat zu heben, hat Kultureinrichtungen und Projekten geschadet, die durch die Corona-Pandemie ohnehin schwere Zeiten durchstehen müssen. Gehälter, Mieten und Sachkosten konnten zum Teil nicht bezahlt werden. Dabei mangelt es nicht an Arbeit: Derzeit werden die Programme für den Sommer, Herbst und Winter geplant, in der Hoffnung, dass diese auch stattfinden können. Das Netzwerk Kultur Dresden hält es für verantwortungslos, die finanziellen Risiken für die Kulturbranche inmitten einer Krise durch einen fahrlässigen Umgang mit Verfahrensregeln zu verschärfen. Leichtfertig wurde der Fortbestand zahlreicher Kulturbetriebe aufs Spiel gesetzt. Entschieden wenden wir uns dagegen, die öffentliche Kulturförderung als Instrument zu missbrauchen, Kultureinrichtungen und Projekte auf eine politische Linie zu zwingen.

An wenigen Orten wird die Bedeutung von Kultur für die Stadtidentität, das Lebensgefühl und die Wirtschaft so deutlich wie in Dresden. Wir haben kein Verständnis dafür, dass Vertreter von Freien Wählern und AfD die Wahrung des kulturellen Reichtums als Pflichtaufgabe in Frage stellen, diesen Reichtum sogar verleumden, indem sie Künstlern und Kulturschaffenden die kreative Leistungsfähigkeit absprechen und sie als „Kulturanschaffende“ diffamieren. Wer in einer Kulturstadt wie Dresden die Senkung von Parkplatzgebühren für wichtiger hält als den Erhalt kultureller Angebote, entblößt seine Unfähigkeit zur strategischen Stadtentwicklung. Es ist zynisch, die prekären Arbeitsverhältnisse und niedrigen Löhne in der Freien Kultur, mit denen sie seit Langem zu kämpfen haben, als „fette Jahre“ zu verhöhnen, die nun vorüber seien. Dabei Gewerbetreibende und Kulturschaffende gegeneinander auszuspielen, spaltet die Stadtgesellschaft. Vielmehr werden Werte beiderseitig in und für die Stadt geschaffen.

Wir sind deshalb dankbar, dass eine große Mehrheit von 53 Stadträten bei der Abstimmung die drei Gegenstimmen deutlich isoliert hat. Ihr Vorgehen erwies sich wie erwartet als aussichtlos. Wir freuen uns für die Kultureinrichtungen und Projekte, die unnötig lange auf ihre Förderzusagen warten mussten.

Sperrminorität bedroht Dresdner Kultureinrichtungen

Am 21. Dezember sollte der Kulturausschuss in einer öffentlichen Sitzung über die Förderung von Institutionen und Projekten für 2021 entscheiden. Zuvor war es den demokratischen Parteien gelungen, die geplanten Kürzungen abzuwenden und konstruktive Lösungen für den Fortbestand der freien Dresdner Kultureinrichtungen zu erzielen. Die Förderzusagen sind für viele Einrichtungen dringend erforderlich, um die laufenden Kosten für Mieten und Personal zu decken.

Die vier Mitglieder von Freien Wählern und AfD im Kulturausschuss blockierten jedoch die Beschlussfassung mit ihrer Sperrminorität und verwiesen sie in den Stadtrat. Dieser tagt erst am 28. Januar 2021 – zu spät für viele Einrichtungen und Projekte, die bereits durch die Corona-Pandemie in existenzielle Not geraten sind. Diese Verschleppung verschlimmert die finanziellen Risiken. Entlassungen und Insolvenzen drohen.

Durch den verantwortungslosen Umgang mit Verfahrensregeln werden die zahlreichen Bemühungen gefährdet, das breite kulturelle Angebot der Stadt zu retten, auf das die Dresdner zu Recht stolz sein können und das auch für die Tourismuswirtschaft von vitaler Bedeutung ist. Die Krise lässt keinen Raum für leichtfertiges Handeln. Damit Dresden auch nach der Pandemie seinem Ruf als Kulturstadt gerecht werden kann, darf man die Existenz von kulturellen Einrichtungen nicht aufs Spiel setzen.

Da vorläufige Auszahlungen durch das Kulturamt nicht möglich sind, erachten wir es als dringend erforderlich, dass der Stadtrat in einer Sondersitzung noch vor Jahresende zusammenkommt, um das Kulturleben in Dresden nicht der finanziellen Unsicherheit zu überlassen.

Für das Netzwerk Kultur Dresden

Die Unterzeichnenden

Holger Böhme, Frank Eckhardt, Anne Gaschütz, Annemarie Grünert, Willi Hetze, Heiki Ikkola, Roberto Krebs, Syri Mönchgesang, Uljana Sieber, Susann Steinert-Fanghänel, Jutta Wille, Simon Wolf

Kultur fair finanzieren! Auch in Krisenzeiten.

Angesichts der aktuellen Planzahlen der Kulturverwaltung der Landeshauptstadt Dresden für die institutionelle Förderung 2021 ist nun schwarz auf weiß sichtbar, dass nachhaltig Strukturen in der bestehenden freien Trägerlandschaft beschädigt werden. Dies sieht das Netzwerk Kultur Dresden mit Sorge.

Das Netzwerk Kultur Dresden ist ein loser Zusammenschluss der Freien Szenen in Dresden – dazu zählen Akteur:innen, die durch das Kulturamt Dresden gefördert werden: institutionell geförderte Träger, Empfänger:innen von städtischer Projektförderung, freischaffende Künstler:innen und Netzwerke im Bereich Kultur.

Laut uns vorliegenden Zahlen sind Kürzungen in Höhe von 330.000 Euro gegenüber dem Stand von 2020 in den Freien Szenen vorgesehen. Da diese nicht bei den feststehenden Mieten, Pachten oder Betriebskosten gekürzt werden können, werden sich diese stattdessen dramatisch auf Personal- und Honorarkosten auswirken. In einem Sektor, in dem Angestellte im Durchschnitt ohnehin für lediglich 60 % des normalen Tariflohns arbeiten und Mindesthonorare kaum erreicht werden, wären diese Kürzungen existenziell. Ohne Personal keine Kultur.

Dass gerade die laut dem städtischen Positionspapier „Fair in Dresden“ ohnehin über Jahrzehnte erheblich unterfinanzierten freien Träger und freien Künstler:innen nun tatsächlich hart von Sparmaßnahmen getroffen werden sollen, ist schwer nachvollziehbar. Seit Jahrzehnten wird hier solide und wertvolle Arbeit geleistet, stets kommen neue engagierte Akteur:innen hinzu, die das Kulturleben in der Stadt nachhaltig bereichern. Die freien Szenen stellen einen erheblichen Anteil an Angeboten in der kulturellen Bildung bereit und stärken sozialen Zusammenhalt. Bei den unterschiedlichen Trägern und in diversen künstlerischen Projektvorhaben wird erhebliches bürgerschaftliches Engagement gebunden, finden Menschen unterschiedlichster Couleur eine kulturelle, soziale und kreative Heimat. 

Auch während der pandemiebedingten Einschränkungen wurden schnell sehr vielfältige und kreative Lösungen entwickelt, um mit den Menschen in Verbindung zu bleiben. Es wurde umgedacht, neu konzipiert und sich rasch an die neuen Bedingungen angepasst. Während der offenen Phase im Sommer war erfahrbar, dass insbesondere freie Träger, Initiativen und Künstler:innen durch gute Vernetzungsarbeit und Beweglichkeit im eigenen Umfeld neue Wege gehen konnten, um es dennoch vielen Menschen zu ermöglichen, an Angeboten teilzunehmen. 

Wir sprechen uns als Akteur:innen des Netzwerks Kultur Dresden dafür aus, das Niveau der kommunalen Kulturförderung (Institutionelle Förderung und Projektförderung) auf dem Stand von 2020 beizubehalten. Als freie Träger oder als freischaffende Künstler:innen und Kulturarbeiter:innen sind wir durch die Corona-Pandemie besonders betroffen und existenziell bedroht. Jede Kürzung der kommunalen Kulturförderung ist eine Gefährdung der freien Kulturlandschaft der Landeshauptstadt Dresden. Wir fürchten zudem, dass erst einmal abgebaute Strukturen nicht so schnell wieder etabliert werden können. 

Kultur muss auch in Krisenzeiten fair finanziert werden!

Freie Träger im Kulturbereich fordern: Dresdner Gemeinwohl fair finanzieren!

Wie wird es ab 2021 um den sozialen Frieden und den Ruf Dresdens bestellt sein,

  • wenn tausende von wöchentlichen Kurs- und Unterhaltungsangeboten nicht mehr existieren?
  • wenn die Stadtteile nicht mehr mit Musik, Clubkultur, Literatur, Bildender Kunst, Theater, Film und Erinnerungskultur bespielt werden?
  • wenn Feste und Festivals, auf die man sich das ganze Jahr gefreut hat, nicht mehr stattfinden?
  • wenn man keinen Raum mehr in der Nachbarschaft hat, an dem man andocken kann?

Über die Auswirkungen der geplanten Kürzungen im neuen Doppelhaushalt für die Freie Szene in Dresden informierten am 23.09. um 11 Uhr Sprecher*innen des Netzwerks Kultur Dresden im Rahmen einer Pressekonferenz im Erich Kästner Haus für Literatur.

Im Netzwerk Kultur Dresden haben sich mehrere tausend Akteur*innen der Freien Szene in Dresden zusammengeschlossen. Dazu zählen institutionell geförderte Einrichtungen ebenso wie Empfänger*innen von Projektförderung, freischaffende Künstler*innen und weitere Netzwerke im Kulturbereich.

Im Doppelhaushalt 2021/2022 der Stadt Dresden sind aktuell Einschnitte von 12 % für die Kultur und ihre Institutionen geplant. Für die Kulturbetriebe der Freien Szene, die ohnehin unter prekären Verhältnissen arbeiten und schon während des Corona-Lockdowns erhebliche Einnahmeverluste verzeichnen mussten, birgt die drohende Kürzung schwere bis existenzielle Risiken. Für viele Einrichtungen bedeutet dies den Verlust von Personalstellen, Künstlerhonoraren und Arbeitsstrukturen, einhergehend mit Einschrän-kungen im Programm und Kursangebot. Auch die Möglichkeit, das eigene Haus krisenfest und zukunftsfähig weiterzuentwickeln, eigene Einnahmen und Drittmittel zu generieren, wird mit den Kürzungen zerschlagen.

Die Einschnitte haben auf lange Sicht jedoch nicht nur die betroffenen Einrichtungen und Mitarbeiter*innen zu tragen. Ein reichhaltiges kulturelles Angebot trägt zur Außenwirkung und Lebensqualität einer Stadt bei. Neben Touristen, die wiederum zusätzliche Umsätze in Betrieben der Gastronomie und Hotellerie generieren, ist es besonders jungen, qualifizierten Menschen bei der Wahl des Wohnortes immer wichtiger, welche kulturelle Vielfalt eine Stadt zu bieten hat. Darüber hinaus sind es zumeist Einrichtungen der freien Szene, die für junge Leute einen wichtigen Schutz-, Erlebnis- und Erfahrungsraum darstellen. Es sind Orte, an denen Abstand vor schulischen-, familiären-, beruflichen Problemen gewonnen werden kann und gleichzeitig wichtige Werte des gesellschaftlichen Zusammenlebens vermittelt werden. All diese Möglichkeiten des Sich-Auslebens und Sich-Ausprobierens tragen positiv zum sozialen Klima einer Stadt bei und sind durch die Kürzungen bedroht.

Das Netzwerk Kultur Dresden fordert deshalb: Kulturelle Obdachlosigkeit verhindern!